Schlüssel zur Genesis

Was bedeutet die biblische Genesis für den Alltag in der Gegenwart?

Keine zeitliche Entstehungsgeschichte einer äußeren Welt und kein Menschenpaar, das Adam und Eva genannt wird, verbirgt sich hinter dem ersten und dem zweiten Teil der biblischen Genesis, sondern die verschlüsselte Darstellung einer inneren Welt. Sie beschreibt zum einen das gesamte Wahrnehmungspotential, das im Menschen in sechs aufeinanderfolgenden Entwicklungsstufen wie in sechs Tagen angelegt ist, und zum anderen die Verwirklichung dieses Potentials durch den gottgewollten Sündenfall im Garten Eden. Mit dem Sündenfall ist keine Schuld gemeint, sondern die gottgewollte Belebung von unverwirklichten Möglichkeiten. Der Name Adam steht für Mensch und der Name Eva (hebr. Chawwa) für Belebung. Der Mensch, der sein gesamtes Wahrnehmungspotential nur durch eine Spiegelung beleben kann, muss zuerst den Weg der Vorsehungen (Baum des Lebens) bis in das äußerste Exil der geistigen Gottferne gehen, bevor er die "Ursünde" durch selbstbestimmte Schritte aus dem Exil (Baum der Erkenntnis) wieder aufheben kann. Das Exil der geistigen Gottferne ist gleichbedeutend mit äußerster Lebensnähe.

Abb.: "König der Münzen" und

"Königin der Münzen" oder das

Urbündnis zwischen Gott und

den Menschen, das den ersten

Tag der Genesis vollendet.

Wer vermutet beim Lesen der Genesis schon, dass sich hinter den bildhaften Begriffen der sechs Schöpfungstage eine Aufzählung von menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten verbirgt, wie beispielsweise hinter dem Begriff "Erde" des ersten Tages die Intuition eines unbewussten Menschen, an den Gott die ersten Worte richtet: "Es werde Licht". Dieses "Licht" beschreibt daher kein sichtbares Licht, sondern die Fähigkeit zu intuitiver Gotteserkenntnis, durch die das Urbündnis zwischen Gott und den Menschen begründet wird. Die Lichter der Himmelskörper dagegen, die erst nach der Erschaffung der Bäume am vierten Tag genannt werden, schildern den Individuationsprozess des Menschen durch einschneidende Erfahrungen mit der Zeichensprache Gottes. Auch die von Mose zuerst empfangenen Gebote werden hier als innere Weisungen gedeutet, die sich an die spirituelle Wahrnehmungsfähigkeit von inneren erdverbundenen "Tierwesen" richten, durch die sie folglich eine vollkommen andere Bedeutung erfahren. Die "Erde" ist keine äußere Erde, die "Bäume" sind keine sichtbaren Gewächse und die "Tiere" keine leibhaftigen Wesen. Sie sind vielmehr Metaphern für göttliche Erscheinungsformen im Urbild des Menschen, der nur am Ende des sechsten Tages Abbild und Gleichnis Gottes genannt wird. Abbild, Bildnis oder Ebenbild aber meint die geistige Erscheinungsform Gottes und Gleichnis Gottes oder Gott ähnlich seine gestalthafte Erscheinungsform.

schluessel.pdf
Adobe Acrobat Dokument 93.8 KB